Lateintanz: Die Nienburger Formation klettert überraschend doch noch in die 2. Bundesliga 12 Nienburg (fan). Roberto Albanese war der erste, der seinem Trainerkollegen Rainer Bormann die noch inoffizielle Info steckte. Und das Telefonat lief ungefähr so: “Rainer, es gibt doch noch so etwas wie Gerechtigkeit – ihr steigt doch noch in die 2. Bundesliga auf.

” – “Du willst mich wohl veräppeln!”
Mitnichten wollte Albanese das. Der ebenso populäre wie erfolgreiche Bremer Trainer, der auch das 1. TSZ Nienburg immer wieder gewinnbringend begleitet, hört in der Tanzsportszene nunmal das Gras wachsen und erfuhr als einer der ersten, dass die Nienburger Lateinformation trotz des Scheiterns beim Aufstiegsturnier im Mai in Nürnberg nun doch noch nachrücken darf. Die Bestätigung erhielt TSZ-Chef und -Trainer Bormann einige Tage später per E-Mail. Bundessportwart Michael Eichler (Frankfurt) sorgte für endgültige Klarheit: Das TSZ tanzt in der Saison 2010 in der 2. Liga!
Doch statt knallender Schampusflaschen herrscht bei Bormann eher ein Zustand der unterkühlten Freude. “Ich hätte mich lieber sportlich qualifiziert”, sagt er. Und blickt noch immer mit einer gewissen Säuerlichkeit zurück nach Nürnberg und der fragwürdigen Wertung, die nur Platz drei beschert hatte. “Wir gewinnen alle fünf Regionalliga-Turniere, gewinnen die Landesmeisterschaft und werden dann in Nürnberg Dritter, obwohl uns alle Seiten bestätigt haben, das wir hätten aufsteigen müssen – das hat immer noch einen bitteren Nachgeschmack.” Nicht zu vergessen: Den Nienburger Party-People wurde ein rauschendes Aufstiegsfest genommen; viele Fans waren damals mitgereist ins Frankenland.
Der nachträgliche Aufstieg der Nienburger hängt mit dem Rückzug des TC Lüdenscheid aus der 1. Bundesliga zusammen. “Trainerin Petra Heiduk hatte offenbar große Probleme, das Team vollzubekommen, auch Fusionen haben offenbar nicht geklappt”, sagt Bormann. Durch den Lüdenscheider Rückzug profitierte zunächst die TSG Bremerhaven, die nachträglich in die Beletage aufstieg. Deren freien Platz in Liga zwei erhielt schließlich das 1. TSZ.
Bereits in den kommenden Wochen beginnt nun die Arbeit, denn nachdem die Nienburger bereits vor zwei Jahren in die 2. Liga aufgestiegen waren und sofort wieder runter mussten, wollen Anh-Duc Nguyen & Co. diesmal unbedingt die Klasse halten. “Wir sind sehr optimistisch”, betont der Coach.
Während das TSZ vor zwei Jahren mit einer neuen Musik an den Start gegangen war, wird diesmal die in Fleisch und Blut übergegangene Choreografie “Move” erneut zum Einsatz kommen. Neu werden allerdings die Kleider sein, die gerade entworfen werden. Bormann: “Wir wollen aggressiver, wollen frecher auftreten.”
Eine feste Trainingsheimat wird es jedoch auch vor der nächsten Saison nicht geben. Wegen Sanierungsmaßnahmen in der Halle der Leintorschule pendeln die Nienburger in den nächsten Monaten weiter zwischen den Hallen in Langendamm (SCB und Bundeswehr), Hagen und dem Saal des “Weserschlösschens”. Dass Bormann erneut personell umbauen muss, schreckt ihn nicht. “Ich kämpfe noch um einige Rückkehrer, wir haben zudem eigenen guten Nachwuchs – aus 30 Leuten werden wir ein Top-Team formen.”
“DIE HARKE” 17.07.2009